Geschichte von Muchobór Wielki

Geschichte von Muchobór Wielki

Geschichte von Muchobór Wielki

 

1155-1291 – Muchobor, 1310  - „in magno Muchebur”, 1316 – Muchbor Majus, 1317 – Muchebur, 1319 – Gross Muchebur, 1320, 1326  – Muchbor,  1353 – Muchobor, 1360 – Muchbor, 1677 – Grosmuchbor,  1690, 1706 – Grosmochber,  1723 – Großmochbar,

19. Jh. – Großmochbern – 1937 – Lohbrück

 

Die ältesten Informationen über Muchobór Wielki stammen aus dem Jahre 1155 – der Name Muchobor erscheint in einer Urkunde vom Papst Hadrian  IV. über die Verleihung eines Grundstückes neben diesem Ort.

       Aus dem Jahre 1261 stammt die älteste Information über eine Zollkammer, die sich hier befinden sollte. Aus derselben Urkunde erfahren wird auch, dass Wrocław eine Befreiung von Zollgebühren für die Einwohner gekauft hat.  

  1291 hat der Einwohner von Wrocław Mileyus sein Gut im Dorf Muchobor, das 40 Hufen umfasste, den Bürgern Arnold und Tilo de Banch verkauft. In diesem Jahr wurde auch das Dorf nach dem deutschen Recht gegründet.

        Im Jahre 1313 erscheint eine nächste Information über Muchobór – der Herzog Heinrich VI. hat 4 Hufen, die dem Bürger Arnold gehörten, von allen Frondiensten befreit. In dieser Zeit wird das Dorf das Eigentum der Joanniten-Kommende in Wrocław.

       Das Grundbuch aus dem Jahre 1353 gibt Auskunft über die Vermögensverhältnisse – zu Muchobór gehörten zu dieser Zeit 26 Hufen, von denen 1 Hufe dem Dorfpfarrer und 4 Hufen dem Dorfvorsteher gehörten.

       Die nächste Information bezieht sich auf einen anderen Bereich. Aus den Urkunden erfahren wir, dass die Frau des Dorfvorstehers von Muchobór, Katarzyna, 1375 einen Altar in der Kapelle der Hl. Dreifaltigkeit im Krankenhaus bei der Fronleichnam Kirche in Wrocław gestiftet hat. In dieser Zeit gehörte das Dorf  der Joanniten-Kommende in Wrocław.

Die Kirche in Muchobór Wielki wurde 1666 als eine Filiale der Pfarrei des Hl. Nikolaus in Wrocław erwähnt. Das Allerheiligste Sakrament wurde in der Kirche nicht aufbewahrt. Es gab nur 8 Katholiken. Die Taufe wurde in der deutschen Sprache erteilt und man hat nicht bis zum zweiten Tag nach der Geburt des Kindes gewartet[1].

       Die weiteren Angaben beziehen sich auf spätere Zeiten. 1795 zählte die Siedlung 275 Einwohner und 47 Bauerngehöften, im Dorf gab ein ein Wirtshaus, einen von der Leibeigenschaft freien Bauernhof und 10 leibeigene Landbauern, sowie einen Riemer und einen Schmied. Nach der Säkularisierung des kirchlichen Eigentums 1810 ist das Dorf in das preußische Eigentum übergangen.

        1843 hatte Muchobór bereits einen Bahnhof (am 29. Oktober eröffnet) auf der Strecke Wrocław – Jaworzyna Śląska [dt. Königszelt].

In diesem Jahr gab es im Dorf 45 Häuser, eine Zollkammer, 2 Schulen – eine protestantische und eine katholische, eine Windmühle, eine Brauerei, ein Armenhaus (errichtet 1829) und eine Ziegelei.

Der Ort hatte 445 Einwohner, darunter 137 Katholiken.

   Es waren hier auch 12 Handwerker tätig und die Zucht umfasste 850 Ziegen und 187 Rinder.

      Innerhalb von 50 Jahren hat sich die Einwohnerzahl verdreifacht. 1894 hatte das Dorf bereits  1313 Einwohner. Die nachfolgende Zeit charakterisierte sich mit einem noch schnelleren Wachstum - 1912 hatte Muchobór 2272 Einwohner.

       Am 27. Februar 1937 wurde der Ortsname in Lohbrűck geändert.[2] 

 

Eine Ergänzung der Geschichte von Muchobór Wielki mögen die folgenden Beiträge sein:

 

Im Norden verläuft die Grenze der Siedlung an der Graniczna Straße, entlang den Wiesen östlich von der  Płaska Straße, dem Fluß Ślęza [dt. Lohe] in Richtung südöstlich an der  Bahnstrecke nach Jaworzno, umgeht diese Bahnstrecke südlich bei der Station Muchobór Wielki, biegt nördlich in Richtung Kunickiego Straße und dann zurück südlich zur Stadtgrenze, wobei die Siedlung die Westgrenze von Wrocław markiert.

   Der älteste lateinische schriftliche Nachweis über Muchobór Wielki stammt aus dem Jahre 1155. Die Urkunde erwähnt ein Dorf, wahrscheinlich geht es hier um die verlorengegangene Siedlung  Uścimowo, die zwischen Muchobor [Wielki - Z.A.] und dem Fluss Ślęza liegt. Muchobór Wielki war damals bereits das Eigentum des Bischofs von Wrocław, was die Bulle des Papstes aus dem Jahre  1245 bestätigt. Über Muchobor Wielki (in magno Muchobor) ist zum ersten Mal erst 1315 die Rede.

            Vom 2. Juni 1266 stammt der erste schriftliche Nachweis über die Zollkammer in Muchobór. Sie war mit großer Wahrscheinlichkeit am Fluss gelegen, um die Reisenden auf eine einfache Weise kontrollieren zu können und die Gebühren von den beförderten Waren erheben zu können. Aus derselben Quelle erfahren wir, dass die Stadt Wrocław die Befreiung ihrer Einwohner von den Zollgebühren u.a. in Muchobór gekauft hat. Es liegen keine Informationen vor, wann die Zollkammer entstanden ist und wie ihr späteres Schicksal aussah.

Das bereits mehrmals zitierte lateinische Grundbuch von 1353 gibt an, dass in dieser Zeit zu Muchobór Wielki 26 Hufen gehörten, wobei der Dorfpfarrer eine Hufe und der Dorfvorsteher 4 Hufen besaßen. Die sonstigen waren grundverzinst. Im Jahre 1313 hat der Herzog Heinrich VI. 4 Hufen von allen Diensten befreit (sie waren das Eigentum des Bürgers Arnold aus Wrocław). Der Herzog hat genehmigt, dass sich auf diesem Hufen Bauern niederlassen, die von jeglichen Lasten frei sein sollten und eine Weide für die Schafe haben sollten. Im Jahre 1347 wird zum ersten Mal die Kirche des Hl. Michael erwähnt, die zum heutigen Tag existiert [ausgebaut 1913–1915]. Es ist eine gotische Kirche. Nach dem Krieg wurde wegen der Flugsicherheit die Höhe des Kirchenturms verringert[3].

 

Am 8. Dezember 1474 haben sich in Muchobór drei Monarchen getroffen – der polnische König Kasimir  der Jagiellone, sein Sohn und der tschechische König Vladislav II., sowie der ungarische König Matthias Corvinus. Das Treffen hatte zum Ziel, einen Waffenstillstand zu unterschreiben und dem Matthias Corvinus Schlesien zuzuerkennen. Diesem Abkommen ging ein misslungener Feldzug der polnischen und tschechischen Truppen nach Wrocław voraus, dessen Belagerung am 24. März 1474 begann. Den Söldnern unter Matthias Corvinus ist es gelungen, die Stadt zu verteidigen.

            Im Jahre 1795 hatte die Siedlung 275 Einwohner und 47 Bauerngehöften. Im Dorf gab es ein Wirtshaus, einen von der Leibeigenschaft befreiten Bauernhof, sowie 10 leibeigene Bauern, 17  Landbauer, einen Riemer und einen Schmied.

Nach der Säkularisierung der kirchlichen Güter 1810 wurde das Dorf zum Eigentum des Preußischen Staates. Man soll dabei erwähnen, dass der Breslauer Historiker J.G. Knie in seiner 1845 veröffentlichter Arbeit „ Alphabetisch  statistisch – topographische Übersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und anderen Orte der Kgl. Preuss. Provinz Schlesien” neben dem deutschen Namen Mochbern auch den polnischen Namen  Muchobór erwähnt.

In dieser Zeit hatte Muchobór Wielki bereits eine Bahnverbindung. Die Eröffnung der Strecke Wrocław Świebodzki [dt. Freiburger Bahnhof]– Jaworzyna Śl. [dt. Königszelt] über Muchobór Wielki mit der Länge von 58 km erfolgte am 29. Oktober 1843. Es war die fünfte Bahnverbindung in Schlesien. In dieser Zeit gab es im Dorf 45 Häuser, eine seit dem Mittelalter tätige Zollkammer, zwei Schulen [eine katholische und eine protestantische], eine Windmühle, eine Brauerei, eine Brennerei, ein Armenhaus von 1829 und eine Ziegelei. Der Ort zählte 445 Einwohner, darunter 137 Katholiken und einen Juden. Ihre Dienstleistungen erbrachten 12 Handwerker, vor Ort war auch ein Krämer  tätig. Im Dorf züchtete man 850 Schafe und 187 Rinder. Im Jahre 1894 zählt das Dorf bereits 1313 Einwohner und im Jahre  1912 – 2273 Einwohner[4].

 

Da der Name Gross Mochbern von dem polnischen Namen Muchobór Wielki abgeleitet wurde, haben ihn die Nazis am 27. Februar 1937 in Lohbrück geändert. Bei Muchobór Mały, das damals bereits zu Wrocław gehörte, beschränkte man sich auf die Entfernung der Bezeichnung  „Mały” [Klein] aus dem Namen. In dieser Zeit dauerte eine breite Aktion der Beseitigung der polnischen Ortsnamen in Schlesien. Diese Veränderungen, die die polnischen Spuren beseitigen sollten, haben sich jedoch nicht lange aufrechterhalten, da Schlesien bereits nach acht Jahren zum Mutterland zurück kehrte.

Die sowjetischen Truppen haben Muchobór Wielki bereits am 23. Februar 1945 besetzt, von daher hat das Dorf keine großen Schäden erlitten.

Die ersten Dorfvorsteher nach der Befreiung waren Józef Ficuń (drei Wochen lang) und Józef Felsztyński. Der letzte Dorfvorsteher vor dem Anschluss des Dorfes an Wrocław, der am 1. Januar 1951 erfolgte, war Kazimierz Jaworski. Heute ist das eine Arbeitersiedlung mit landwirtschaftlichem Charakter, deren Bebauung – vorwiegend Einfamilienhäuser – zum größten Teil von der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts stammt.

            Viele Häuser wurden in den letzten Jahren errichtet. Die Siedlung hat jetzt 251 Wohngebäude und 209 Bauernhöfe. Die Einwohner haben insgesamt 144 Rinder, 102 Schweine, 47 Pferde und 12 Schafe. Vor Ort ist ein Staatlicher Landwirtschaftlicher Betrieb tätig. Der Boden hier ist sehr gut [II. und IIIa Klasse]. Im südlichen Teil von Muchobór Wielki befinden sich Industriebetriebe – ein Sägewerk, eine Möbelfabrik, ein Holzindustriebetrieb in der Avicenny Straße und andere. Heute zählt die Siedlung 2599 Einwohner [darunter 1255 Frauen], doch mit der Zeit wird ihre Zahl bis zu 9 Tausend wachsen.

           Für die neue Bebauung werden Gebiete in dem südlichen Teil in der Nähe der Bahnstrecke vorgesehen. Die Siedlung hat eine Busverbindung mit der Mittelstadt sowie eine Bahnstation [die Strecke nach Jelenia Góra [dt. Hirschberg]. In der Belojanisa Straße 25 [heute Samborska Straße] ist eine Filiale des Kulturhauses tätig. 1969 wurde eine neue Schule in der Liebknecht Straße [heute  Stanisławowska Straße] eröffnet][5].

 

WICHTIGE EREIGNISSE IN DER GESCHICHTE VON MUCHOBÓR WIELKI UND DER KIRCHE DES ERZENGELS MICHAEL

 

  • 1155  –  der erste schriftliche Nachweis über die Ortschaft
  • 1347 – der erste schriftliche Nachweis über die Kirche
  • um 1400 – Errichtung der heutigen gotischen Kirche
  • um 1500 – Entstehung der gotischen Wandmalereien, Ausrüstung der Kirche mit sakralen Kunstwerken      
  • 1570  – Sakristeibau
  • 1579 – Dachaustausch
  • 1605 – Bemalung des Gewölbes mit Fresken, Errichtung eines Frieses mit Akanthusornament unter dem Fenster
  • 1658  - Stiftung des barocken Altars
  • 1680 – Errichtung der Evangelisten-Figuren an der Kanzel
  • 1720–1730 – Einkauf der Ölgemälde mit dem Hl. Karl Borromäus und Hl. Johannes Nepomuk
  • 1723 – Ausrüstung der Kirche mit dem barocken Taufbecken
  • 1840 – Turmrenovierung
  • 1847– Stiftung des Gemäldes mit dem Erzengel Michael
  • 1912–1916 – Errichtung einer neogotischen Kirche und Zusammenschluss mit dem gotischen Teil
  • 1922  Ausrüstung der neuen Kirche mit einem gotischen Altar
  • 1945–1946 – Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Decke und des Dachs
  • 1950 – Absenkung des Turmes auf Aufforderung der damaligen Staatsverwaltung; als  Begründung wurde auf den naheliegenden Flughafen in Strachowitz verwiesen                
  • 1955 – Innenrenovierung der Kirche
  • 1960 – Dachrenovierung, Regelung und Absenkung des Kirchengeländes
  • 1965 – Renovierung und Konservierung der gotischen Malereien
  • 2000 – Dachrenovierung, Renovierung der Turmfassade
  • 2002 – Renovierungsputz in dem ältesten Kirchenteil
  • 2003 – Regenkanalisation um die Kirche
  • 2004 – Renovierung des gotischen Gemäldes [Maria in der Umgebung der Heiligen Frauen].
  • 2005  Renovierung des Gemäldes [Hl. Wenzel und Hl. Stanislaus], Generalrenovierung des Dachs auf dem Presbyterium des alten Teils
  • 2005 – 2006 Errichtung des Bürgersteigs aus Granitsteinen um die Kirche
  • 20062007 – Dachrenovierung auf dem neuen Teil der Kirche.

 


[1] Bp. Wincenty Urban, Z dziejów duszpasterstwa w Archidiakonacie Wrocławskim w czasach nowożytnych [Geschichte der Seelsorge in der Archidiakonie Wrocław in der modernen Zeit], ATK Warszawa 1971, S. 153.

[2] Zdzisław Żak, Studium historyczno – konserwatorskie kościoła p.w. Św. Michała Archanioła przy ul. Stanisławowskiej 87 we Wrocławiu – Muchoborze Wielkim  [Ein historisches und konservatorisches Studium der Kirche des Hl. Erzengels Michael in der Stanisławowska Straße 87  in Wrocław – Muchobór Wielki], Wrocław 2003, S. 5-8, Manuskript im Archiv der Pfarrgemeinde in Muchobór Wielki

 [3] Zygmunt Antkowiak, Stare i nowe osiedla Wrocławia – Muchobór Wielki [Alte und neue Siedlungen in Wrocław -  Muchobór Wielki]. Wieczór Wrocławia, 14.VII.1972., Nr. 164 (1615), S. 3.

[4] Zygmunt Antkowiak. Stare i nowe osiedla Wrocławia.- Muchobór Wielki [Alte und neue Siedlungen in Wrocław -  Muchobór Wielki] – Teil 2. Wieczór Wrocławia 18.VII.1972., S. 2.

[5]Zygmunt Antkowiak, Stare i nowe osiedla Wrocławia- Muchobór Wielki [Alte und neue Siedlungen in Wrocław -  Muchobór Wielki] – Teil 3. Wieczór Wrocławia, 20.VII.1972, S. 2